Jedes Erlebnis ist SINN-REICH, so turbulent oder banal es noch sein mag

JEDE Alltagssituation, so banal sie auch sein mag, bietet uns unzählige Möglichkeiten uns selbst ein Stück besser kennenzulernen, uns selbst weiterzuentwickeln. Wir dürfen uns einfach darauf einlassen und unsere Sinne öffnen. Uns darin üben, wahrzunehmen und anzunehmen, was gerade ist bzw. in uns abläuft. Oftmals suchen wir viel zu weit, haben das Gefühl wir müssten unser Leben grundlegend verändern. Dem ist nicht so. Das Leben findet genau jetzt statt. Jede einzelne Erfahrung ist nichts anderes ale eine sprudelnde Quelle, welche so oder so reichhaltige Erkenntnissen in sich birgt. Lassen wir uns auf das Leben und die Erfahrungen ein, können in jeder Situation über uns selbst hinauswachsen und stets ein Stückchen weiten und befreien.

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Seit letzter Woche ist mein Studioersatzschlüssel auf unerklärliche Weise ganz spurlos verschwunden. Dieses Ereignis brachte  meine innere Gelassenheit ganz schön ins Schwanken. Die Gefühlspalette, welche sich mir präsentierte, war äusserst vielfältig und alles andere als angenehm. Immerhin war ich soweit im Bewusstsein, dass ich bewusst wahrnahm, dass ich zurzeit gerade einen heftigen Stresszustand durchlebe 🙈und es sich dabei ja lediglich um Emotionen handelt. 
Ich fühlte, was ist. Gleichzeitig bemerkte ich, dass es mir äusserst schwer fiel, ganz bei mir und im Fühlen und Annehmen, was gerade ist, zu bleiben. Dieses Ereignis brachte mich sowas auf die Palme.

Ich wurde Gewahr einer Stressreaktion, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt hatte. Unmittelbar nachdem ich den Verlust realisierte, geriet ich in Angst und Panik – ein altbekanntes Stressmuster, welches von Kontrollverlust, Schuldzuweisungen, Verurteilungen und Wut mir selbst gegenüber geprägt war. Gekoppelt mit der Lust, dem anderen einen auszuwischen statt in die Liebe zu gehen. Ich spürte, wie mir eine innere unkontrollierbare Kraft die Fähigkeit klar zu denken und zu handeln entzog. Der Verstand begann wie wild zu rotieren, sich Geschichten und Möglichkeiten auszudenken, welche mit der Realität wenig zu tun hatten. Es schien mir ein Ding der Unmöglichkeit, die Realität urteilsfrei und bewusst wahrzunehmen.

Und so, waren auch meine Wortwahl und Reaktionen meinem unschuldigen Partner gegenüber geprägt von Anschuldigungen, obwohl ich mich ja eigentlich nur über mich selbst ärgerte und mir durchaus bewusst war, dass irgendetwas in mir getriggert bzw. ausgelöst wurde und sich dahinter ja mein ganz eigenes Thema verbirgt. Ich war mir aber in diesem Moment schlicht und einfach nicht möglich, in Liebe zu bleiben. Ich war einfach so was von genervt und innerlich aufgewühlt – aus welchem Grund auch immer. Gleichzeitig spürte ich aber dieses tiefe Vertrauen, dass genau diese Situation und Erfahrung schon ihren Sinn haben würde… das habe ich soweit ich mich an so heftige Stresserlebnisse zurückerinnern kann, noch nie auf diese Weise erfahren.

Immer und immer wieder übte ich mich darin, zurück zu mir selbst zu kommen: Mich in meinem Körper zu spüren, all die Emotionen zu fühlen und Gedanken wahrzunehmen. Anzunehmen und sein zu lassen, was gerade ist sowie gleichzeitig den Schaden im Aussen zu begrenzen.

Aber wo liegt nun eigentlich der Kern des Problems verborgen?

Auf irgendeine Weise, wie auch immer, gelang es mir dann tatsächlich deutlich Abstand zu gewinnen, die ganze Situation aus einer erweiterten Perspektive zu betrachten und meinem inneren Dialog zu lauschen.

Hast du Angst vor Diebstahl? Ohh nein! Wer will mir schon was klauen? Diesbezüglich habe ich absolut keine Bedenken.

Sollte der Schlüssel tatsächlich nicht mehr auftauchen, wird spätestens mit der Studioübergabe das Schloss ausgewechselt werden und ich habe die Kosten zu tragen. Nichts Weiteres. Was ist daran denn so tragisch? Grundsätzlich nichts. Aber da fühlt sich etwas gar nicht neutral an. Und hier kommt, auch gleich ein „Ja, aber…“. Das hätte nun wirklich nicht sein müssen, das hätte ich mir doch er-sparen können. Ja, „sparen“!! Wieder einmal geht es um das liebe Geld! Welch‘ Erkenntnis!

Darauf hin passierte etwas völlig unerwartet Spannendes:

Mein innerer Dialog nahm seinen Lauf: „Nun ja, es ist nur Geld 💰!!!“  Mmmh… kurze Pause… ich liess die Worte nachklingen… und wie aus dem Nichts entfaltete sich auf meinem Gesicht ein riesiges Grinsen.

„Es ist wirklich nur Geld! Einfach nur Geld, sonst nichts.“ 

Und genau mit diesen Worten machte sich in meinem Körper ein Gefühl der Entspannung breit, als hätte sich etwas in mir aufgelöst und geklärt.
Da war tatsächlich noch ein Teil von mir in meinem alten Geldthema gefangen und wollte irgendwelche Kosten sparen. In kann ich über mich selbst und die vorgefallene Situation nur noch lachen.

Was hält mich ab, die Situation einfach zu akzeptieren wie sie ist?! Nichts. Absolut nichts. So urplötzlich, wie ich in Stress geriet, so plötzlich kann ich den verlorenen Schlüssel in Frieden einfach loslassen.

Und genau einen Tag davor hab ich doch noch einer lieben Freundin geschrieben, dass ich inzwischen hinsichtlich meinem Geldthema in eine wunderbare Gelassenheit gekommen bin. Und nun dies   … das Leben ist schon verrückt.

„Jaa, es ist nur Geld.“ 😁Es ist so was von banal. Und es sind genau dieselben Worte, welche in meinen Körper über Jahrzehnte eine Verkrampfung auslösten, welche sich nun so entspannend anhören. Und somit hat ein weiterer Teil in mir Frieden gefunden.

Regeln?! Aber nein! Ich bleibe in der Bedingungslosigkeit und im Vertrauen

Nur paar Tage vor diesem Ereignis habe ich meinen Beitrag zur bedingungslosen Raumnutzung veröffentlicht.

Und genau das war natürlich gefundenes Fressen für meinen angstgeprägte Verstand. Obwohl ich dessen Einfallsreichtum inzwischen kenne und mir durchaus bewusst bin, das ICH nicht mein Verstand bin. Schafft er es mit seiner Radikalität doch immer wieder, mich in pures Erstaunen zu versetzen. Mir verschlägt es jedes Mal komplett die Sprache.

Kam doch mein lieber Verstand mit folgenden Anspielungen:

„Ich habe dir ja immer gesagt, dass dein Ding mit der Bedingungslosigkeit hier auf dieser Welt nicht funktionieren wird. Die Welt funktioniert nun mal nicht so! Die Menschen sind nicht so vertrauenswürdig, wie du dir das vorstellst oder wünscht. Aber auf mich willst du ja nicht mehr hören. Du willst deine eigenen Erfahrungen machen. Du willst deiner Intuition vertrauen. Aber vielleicht ist ja genau das ein Hinweis des Universums, dass du nun wirklich eine Grenze überschritten hast, dass du schlicht und einfach zu naiv bist und den Menschen, der Welt und dem Leben zu viel vertrauen schenkst. Und du „checkst es“ nicht mal! Du wirst diesen Hinweis, doch wohl nicht einfach so ignorieren?! Menschen sind sich nunmal Regeln gewohnt. Vielleicht solltest du immerhin ein paar Mindestregeln aufstellen, wie beispielsweise ein Schlüsseldepot. Dann kannst du dir solche Gefühlsturbulenzen in Zukunft auch ersparen!“

Jaja. Das ist mein lieber Verstand und ich weiss, dass er mich doch nur beschützen will.

Nun aber hör ich auf mein Herz.

Ich entscheide mich fürs Vertrauen und die Bedingungslosigkeit. Und ich werde keine Regeln aufstellen.

Und ich weiss, es ist gut so.

Erst jetzt wird mir bewusst, dass in unserer Gesellschaft genau das Gegenteil gang und gäbe ist: Läuft etwas schief, werden darauf hin unter Angstmacherei Regeln aufgestellt, um solche Situationen in Zukunft vermeiden bzw. kontrollieren zu können.

Was dabei ganz in Vergessenheit gerät: Das Leben ist und wird nun mal nicht und nie kontrollierbar sein, mit oder ohne Regeln. Gleichzeitig nähren wir durch solche Aktionen unser Misstrauen statt das Vertrauen. Ein nimmerendender Teufelskreis.

Ich entscheid mich für die Liebe…

Und was wäre passiert, wenn ich meinem Herzensmenschen gegenüber direkt in die Liebe gegangen wäre? Und ich es geschafft hätte während meinem Gefühls- und Gedankenturbulenzen, in meinem Fühlen, im Annehmen und ganz bei mir zu bleiben?

Ich hätte mir, einerseits die durch mein Verhalten hervorgerufene Disharmonie in der Beziehung, welche meine bereits so bedrückenden unangenehmen Gefühle nochmals um ein Vielfaches verstärkte, definitiv ersparen können wie auch das darauffolgende schlechte Gewissen für all das, was ich im Stress gesagt habe und doch eigentlich gar nicht sagen wollte.

Zur Wurzel des Problems bzw. zur Gelderkenntnis kam ich nämlich erst im Nachhinein, als ich wieder klar denken und handeln konnte. Diese Schlüsselerkenntnis hätte ich genauso in Liebe erfahren können.

Mein Herzensweg ist und bleibt die Liebe… und ich werde mich tagtäglich weiter darin üben…

Segensreiche Distanz aus purer Liebe

Mein geliebter Partner, ich bin dir so dankbar, dass du so feinfühlig bist, mir in solchen Stresssituation ganz intuitiv aus dem Weg gehst und dich in solchen Situationen komplett zurückziehst. Bis jetzt habe ich dir das immer sehr übel genommen. In der Tat hast du genau das Richtige gemacht. Das gibt mir, meinen unkontrollierbaren Emotionen und all denn noch unbewusst ablaufenden Reaktionen Platz. Den Raum, welchen ich in diesen Situationen noch nicht im Stande bin, mir selbst einzuräumen. Und genau dadurch schützt du und sowie unsere Beziehung vor all den unbewussten, unkontrollierbaren und oft so schmerzhaften und verletzenden Verhaltensweisen, welche aus dem Stresserleben resultieren könnten. Würdest du dich in einer solchen Situation auf eine Diskussion einlassen, dass wäre wie Öl ins Feuer zu giessen.

Danke dir von Herzen für dein wunderbaren Sein. Ich liebe Dich!

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Claudina am 6. Juli 2018 um 05:26

    Wunderbar geschrieben liebe Doris 🙂 und Jaaaa es ist wunderschön vertraust Du Deinem Herzen und Deiner Intuition. A propos Emotionen kann ich Dir ein gutes Buch empfehlen. War und ist für mich immer hilfreich, die Emotionen nicht in denselben Topf zu schmeissen wie die Gefühle. Der Titel heisst: „Zeit für Gefühle“ und ist geschrieben von der Autorin Diana Richardson. Liebe Grüsse Claudina vom See

    • Veröffentlich von Doris Morra Garro am 6. Juli 2018 um 18:41

      Danke dir für deine lieben Worte Claudina. Ohh das klingt spannend. In der Tat habe ich mir noch gar nie überlegt, ob es einen Unterschied macht, von Gefühlen oder Emotionen zu sprechen. Für mich war und ist es bis jetzt ein und dasselbe. Danke dir für deinen Buchtip! Alles Liebe, Doris

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